Mittwoch, 1. M├Ąrz 2017

***Genre Themen Woche Krimi/Thriller***­čôÜ

Heute beginnen die Genre Themen Wochen mit dem Genre " Krimi/Thriller.
Ich werde euch Einblicke in die verschieden Genres geben mit Autoren Interviews , Leseproben, Rezensionen uvm...

**Silke Ziegler**



**Autoreninterview**

1.Wie w├╝rdest du dich in 3 Worten beschreiben?
    -
2.Was macht f├╝r dich einen perfekten Lesetag aus?

 Mit zwei Kindern, einem Hund und einem Teilzeitjob gibt es den perfekten Lesetag f├╝r mich eigentlich nur im Urlaub: Auf einer Liege am Strand oder Pool, einen spannenden Krimi, dem ich mich ohne Unterbrechung stundenlang widmen kannJ. Ich bin Schnellleserin, d.h. ein 500 Seiten-Buch habe ich normalerweise in 3-4 Tagen durch. Ein Buch ├╝ber mehrere Wochen h├Ąppchenweise lesen geht f├╝r mich ├╝berhaupt nicht. Das w├Ąre so, als ob ich einen Film alle f├╝nf Minuten unterbreche.

3. Wie kamst du zum B├╝cher schreiben?

2013 hatte ich aus Unzufriedenheit und Unterforderung einen 450 €-Job gek├╝ndigt, w├Ąhrend ich eigentlich noch in Elternzeit war. Da ich lange nach einem ordentlichen Teilzeitjob suchen musste, kam mir in der Zwischenzeit die Idee, selbst mal ein Buch zu schreiben, da ich schon immer sehr gerne lese und es mich gereizt hat, selbst einmal zu bestimmen, wie die Handlung vorangeht. Kurz darauf war ich mit meiner Familie in S├╝dfrankreich im Urlaub, wo mir die Idee zu meinem ersten Krimi „T├Âdlicher Verrat“ kam, in dem es um einen Serienm├Ârder geht, der Prostituierte umbringt. Die Frauen haben wir bei einem Ausflug am helllichten Tag an einer Nationalstra├če stehen sehen.
Meine Bef├╝rchtung war am Anfang, dass die Geschichte vielleicht nach 50 Seiten zu Ende erz├Ąhlt sein k├Ânnte. Als letztlich 580 Seiten daraus wurden, war mir dann aber klar, dass der Umfang „buchgerecht“ ist.

4. Weshalb schreibst du unter keinem Pseudonym?

Ich schreibe nicht unter Pseudonym, da es mich unglaublich gl├╝cklich macht, meinen Namen auf einem Buchdeckel zu lesen. Manchmal kann ich es immer noch nicht fassen, dass ich tats├Ąchlich Verlage gefunden habe, die meine Manuskripte „druckenswert“ fanden/finden. Da meine ersten drei B├╝cher in Frankreich spielen, w├Ąre nat├╝rlich ein franz├Âsischer Name naheliegend gewesen, aber ich m├Âchte mich nicht hinter einem toll klingenden Namen verstecken. Wenn meine Leser meine B├╝cher kaufen, k├Ânnen sie wissen, wer sich dahinter verbirgt. Ich glaube nicht, dass der Name eines Autors ausschlaggebend f├╝r die Qualit├Ąt des Buchs ist.

5. Warum schreibst du gerade dieses Genre? Ist es auch das,dass du selbst gerne liest?

Ich schreibe Krimis/Thriller, die immer auch eine dazu passende Love Story enthalten. Meine ersten drei B├╝cher spielen in Frankreich, weil ich ein gro├čer Fan dieses Landes bin. Allerdings spielt mein viertes Buch erstmals in meiner Heimatstadt, d.h. es muss nicht immer Frankreich sein.
Zum Gro├čteil lese ich selbst Thriller/Krimis, oft auch mit Love Story. Z.B. Karen Rose, Sandra Brown, Nora Roberts. Ich liebe spannende Geschichten, die einem aber auch ans Herz gehen, also mit viel Gef├╝hl. Ab und an versuche ich auch mal andere Genres.
Fantasy und reine Liebesgeschichten lese ich ├╝berhaupt nicht. Auch diese ganze Erotikwelle geht komplett an mir vorbei, weil es mich nicht interessiert.

6. Wenn du k├Ânntest w├╝rdest du dann auch mal ein anderes Genre ausprobieren wollen, wenn ja welches?

Theoretisch ja, wenn ich die entsprechende Geschichte im Kopf h├Ątte. Momentan ist das aber nicht der Fall. Es ginge dann wohl in Richtung Liebesdrama, evtl. eine Art Familiensaga.

7. Hast du noch einen anderen Beruf wenn ja welchen oder ist das Schreiben dein Hauptberuf?

Ich bin gelernte Finanzassistentin, arbeite aber seit drei Jahren an der Universit├Ąt in Heidelberg.

8. Wie lange schreibst du schon und wie viele B├╝cher gibt es schon von dir?

Ich schreibe seit 2013. Momentan gibt es drei B├╝cher von mir:
     „T├Âdlicher Verrat“, S├╝dfrankreich-Krimiromanze, Monogramm Verlag, Okt. 2014
     „Am Ende der Unschuld“, Paris-Krimiromanze, Bookshouse, April 2016
     „Im Schatten des Sommers“, S├╝dfrankreich-Krimiromanze, Grafit, Juli 2016

    „Die Nacht der tausend Lichter“, Krimi, Grafit, ab April 2017
Qualit├Ąt des Buchs ist.

Qualit├Ąt des Buchs ist.

5. Ich schreibe Krimis/Thriller, die immer auch eine dazu passende Love Story enthalten. Meine ersten drei B├╝cher spielen in Frankreich, weil ich ein gro├čer Fan dieses Landes bin. Allerdings spielt mein viertes Buch erstmals in meiner Heimatstadt, d.h. es muss nicht immer Frankreich sein.
Zum Gro├čteil lese ich selbst Thriller/Krimis, oft auch mit Love Story. Z.B. Karen Rose, Sandra Brown, Nora Roberts. Ich liebe spannende Geschichten, die einem aber auch ans Herz gehen, also mit viel Gef├╝hl. Ab und an versuche ich auch mal andere Genres.
Fantasy und reine Liebesgeschichten lese ich ├╝berhaupt nicht. Auch diese ganze Erotikwelle geht komplett an mir vorbei, weil es mich nicht interessiert.

6. Theoretisch ja, wenn ich die entsprechende Geschichte im Kopf h├Ątte. Momentan ist das aber nicht der Fall. Es ginge dann wohl in Richtung Liebesdrama, evtl. eine Art Familiensaga.

7. Ich bin gelernte Finanzassistentin, arbeite aber seit drei Jahren an der Universit├Ąt in Heidelberg.

8. Ich schreibe seit 2013. Momentan gibt es drei B├╝cher von mir:
     „T├Âdlicher Verrat“, S├╝dfrankreich-Krimiromanze, Monogramm Verlag, Okt. 2014
     „Am Ende der Unschuld“, Paris-Krimiromanze, Bookshouse, April 2016
     „Im Schatten des Sommers“, S├╝dfrankreich-Krimiromanze, Grafit, Juli 2016
    „Die Nacht der tausend Lichter“, Krimi, Grafit, ab April 2017
    Ein weiterer S├╝dfrankreichkrimi liegt noch ungepr├╝ft beim Verlag, ohne konkretes   Ver├Âffentlichungsdatum

9.Liest du deine B├╝cher auch au├čerhalb des Schreibprozesses?

Ich lese die B├╝cher in Printform, sobald ich sie vom Verlag bekomme. Einmal muss ich das Buch lesen wie ein normaler LeserJ. Wobei ich das nat├╝rlich trotzdem nicht bin. Ansonsten habe ich die B├╝cher ganz vereinzelt gelesen, wenn mir gerade danach war, jedes Buch aber maximal einmal.

10.Was m├Âchtest du deinen bzw. meinen Lesern gerne mit auf den weg geben?

Ich m├Âchte mich ganz herzlich f├╝r Euer Interesse an meiner Person und meinen B├╝chern bedanken. Vielleicht konnte ich bei dem einen oder anderen Interesse wecken, denn ich freue mich immer ├╝ber NeuleserInnen. Und noch mehr freue ich mich ├╝ber ehrliche R├╝ckmeldungen! Auch bei Dir, liebe Shari, m├Âchte ich mich ganz ganz herzlich f├╝r Deine Bem├╝hungen und Dein Interesse bedanken. Das ist es auch, was ich am Schreiben liebe: Man lernt so viele nette Menschen kennen!

**Buch Vorstellung**



*Klappentext*

Sophia Mildner erh├Ąlt einen Anruf der franz├Âsischen Polizei. Bei einem Autounfall ist ein bislang nicht identifizierter Mann schwer verletzt worden. Er hat tiefe Schnittwunden am Oberk├Ârper und tr├Ągt ein altes Foto bei sich: Die Frau darauf ist niemand anderes als Sophias Mutter. Nach ├╝ber zwei Jahrzehnten hat sich damit eine Spur ergeben, die das ungekl├Ąrte Verschwinden von Sophias Familie aufkl├Ąren k├Ânnte. Sie bricht an die s├╝dfranz├Âsische K├╝ste auf und ger├Ąt sofort mit dem ermittelnden Polizisten Nicolas Rousseau aneinander. Dabei verbindet die beiden mehr, als sie ahnen ... Ein packender Fall und eine bewegende Liebesgeschichte vor der atemberaubenden Kulisse S├╝dfrankreichs!

*Link*

**XXL Leseprobe**


Prolog
Freitag, 7. August 1992
Argel├Ęs-sur-Mer

„Bitte, Sophia!“ Carine Mildner ├Âffnete die hintere Autot├╝r und blickte ihre Tochter flehentlich an.
Doch Sophia wandte demonstrativ den Kopf ab, w├Ąhrend sie ihre Lippen fest aufeinanderpresste. Unschl├╝ssig stand ihre Mutter neben dem Wagen und schien nachzudenken. Schlie├člich ├Âffnete sie erneut den Mund, um ihre ├ťberredungsk├╝nste einzusetzen.
„Carine, kommst du?“ In einiger Entfernung drehte sich Sophias Vater um und sah seine Frau abwartend an. Diese lie├č ihren Blick unsicher zwischen Mann und Tochter hin- und herwandern.
„Na sch├Ân“, seufzte sie letztlich, dr├╝ckte den Verriegelungsknopf auf Sophias Seite herunter und schlug entt├Ąuscht die Autot├╝r zu.
Nach einem weiteren kurzen Z├Âgern wandte sie sich ab, um ihrem Mann und Sohn in den Intermarch├ę zu folgen.
Langsam drehte Sophia den Kopf und schaute ihrer Mutter w├╝tend hinterher, die schweren Schrittes auf den Supermarkt zusteuerte. Da die hinteren Scheiben des Wagens get├Ânt waren, konnte sie sicher sein, dass ihre Mutter den Blick nicht erkennen konnte. Mit zusammengekniffenen Augen beobachtete Sophia, wie ihr zweij├Ąhriger Bruder Frederick, sich immer wieder von der Hand seines Vaters losriss und davon rennen wollte. Z├Âgernd folgte Sophias Mutter den beiden in etwa zwanzig Meter Entfernung. M├╝rrisch lie├č Sophia den Blick ├╝ber den weitl├Ąufigen Parkplatz schweifen. Kaum ein halbes Dutzend Fahrzeuge standen vor dem Einkaufszentrum. Kein Wunder, dachte Sophia genervt, w├Ąhrend sie auf ihre Uhr blickte. Kurz vor acht. Wer sonst stand in den Sommerferien um diese Zeit auf?
Gelangweilt verfolgte sie, wie ihre Mutter nur wenige Sekunden nach ihrem Vater und Frederick an einem gr├╝nen Transporter vorbeiging und aus ihrem Blickfeld verschwand. Ver├Ąrgert kaute Sophia auf ihrer Unterlippe. Warum mussten sie unbedingt heute nach Perpignan fahren?
Nachdem ihre Mutter gestern Nachmittag einiges erledigen wollte, w├Ąhrend Sophia mit Papa und Frederick den Strand von Argel├Ęs n├Ąher in Augenschein genommen hatte, war sie abends relativ sp├Ąt in das Ferienhaus zur├╝ckgekehrt, um freudestrahlend zu verk├╝nden, morgen mit der ganzen Familie einen Ausflug nach Perpignan unternehmen zu wollen.
Obwohl Sophia sie mehrmals eindringlich gebeten hatte, den Ausflug zu verschieben, und auch ihr Vater sie unterst├╝tzte, da er meinte, die Stadt liefe schlie├člich nicht davon und der Urlaub habe doch gerade erst begonnen, war Mama nicht von ihrem Plan abzubringen gewesen. Nat├╝rlich hatte Sophia ihr nicht den wahren Grund genannt, warum sie heute unbedingt wieder an denselben Strand wie gestern wollte. Der ging schlie├člich weder ihre Mutter noch ihren Vater etwas an. Immerhin war sie schon elf Jahre alt! Ihre Eltern mussten nicht alles wissen.
Sie dachte an den braungebrannten Jungen, der sie gestern angesprochen hatte, als sie mit Frederick am Wasser spielte. Ganz fasziniert hatte er sie angestarrt, bevor er sie schlie├člich fragte, was sie mit ihren Haaren angestellt h├Ątte. Irritiert hatte Sophia den Jungen gemustert, da sie nicht gleich verstand, was er ├╝berhaupt meinte. Er hatte rabenschwarze, lockige Haare und ebenso dunkle Augen. Als er sie anlachte, blitzten seine wei├čen Z├Ąhne auf, die die dunkle Haut noch st├Ąrker betonten. Verunsichert fasste sie sich an ihr Haar und fragte ihn, was er meine.
„Sie sehen aus, als ob sie brennen“, antwortete er grinsend.
Genervt verzog sie das Gesicht, w├Ąhrend sie Frederick betrachtete, der gerade dabei war, seine selbst gebaute Sandburg zu zerst├Âren.
„Sie sind rot“, entgegnete sie schnippisch. Was sollte die bl├Âde Frage? Okay, in ihrer Klasse war Sophia die einzige mit dieser Haarfarbe. Aber Ralf aus der 7a, der hatte auch rote Haare. Na ja, vielleicht eher orange. Seine ├Ąhnelten der Farbe von Karotten, w├Ąhrend ihre tats├Ąchlich den z├╝ngelnden Flammen eines Lagerfeuers glichen. 
„Sie sind sch├Ân. Ich habe noch nie solche Haare gesehen“, erwiderte der Junge verlegen.
Geschmeichelt von seinen Worten musste Sophia dann gegen ihren Willen doch l├Ącheln. Irgendwie hatte er eine nette Art an sich. Danach zeigte er Frederick, wie man einen halbwegs funktionierenden Staudamm baut, bevor er sich schlie├člich nach einer halben Ewigkeit von ihnen verabschiedete, weil er nach Hause musste. Nachdem er ihr die M├╝nze geschenkt hatte.
Nachdenklich betrachtete Sophia ihren Daumennagel und zupfte unruhig an einem St├╝ck Haut. Zum Abschied hatte der Junge ihr zugewinkt und gefragt, ob sie am n├Ąchsten Tag wieder an den Strand k├Ąme. Ihre erste Verabredung. Abwesend blickte Sophia aus dem Fenster. Obwohl sie ihn nicht gefragt hatte, sch├Ątzte sie, dass er zwei oder drei Jahre ├Ąlter als sie war. Immerhin durfte er bereits allein an den Strand. Davon konnte sie nur tr├Ąumen. Ver├Ąchtlich stie├č Sophia den Atem aus.
Ein Ausflug nach Perpignan! Frederick war noch viel zu klein, als dass ihn irgendetwas anderes als Burgenbauen und das Herumtollen im Wasser interessieren w├╝rde. Auch ihr Vater schien sich eher auf einige ruhige Tage am Meer eingestellt zu haben, an denen er endlich mal dazu k├Ąme, ein gutes Buch zu lesen, anstatt bei diesen Temperaturen die hei├česte Stadt Frankreichs zu besuchen. Doch ihre Mutter hatte eben mal wieder ihre eigenen Pl├Ąne. W├╝tend lehnte Sophia den Kopf an die k├╝hle Scheibe und ├╝berlegte. Gestern Abend hatte sie beschlossen, kein Wort mehr mit Mama zu reden. Geschah ihr ganz recht. Schlie├člich war sie kein kleines Kind mehr, das sich immer dem Willen seiner Eltern beugen musste. Sollte ihre Mutter doch allein nach Perpignan fahren.
Sobald sie zur├╝ckk├Ąme, w├╝rde Sophia ihr mitteilen, dass sie ins Ferienhaus zur├╝ckwollte. Ihre Mutter konnte nicht einfach ├╝ber sie bestimmen, wie es ihr gefiel, schlie├člich war sie schon fast erwachsen, anders als Frederick. Bestimmt lie├č sich der Junge vom Strand auch nichts mehr von seinen Eltern sagen.
****
1
Sonntag, 29. Mai 2016
In der N├Ąhe von Argel├Ęs-sur-Mer

Genervt drehte sich Heike Hohlmann zu ihren Kindern um und bem├╝hte sich um einen ruhigen Tonfall. „Wir sind vor zehn Minuten losgefahren. Das bedeutet, dass wir noch etwa elf Stunden Fahrt vor uns haben. Daher braucht ihr nicht alle zwei Minuten fragen, wann wir endlich da sind.“
Da sie sich vorsichtig wieder zur├╝cksetzte, w├Ąhrend sie sich m├╝de mit der Hand ├╝ber ihre Stirn fuhr, bemerkte sie den verschw├Ârerischen Blick ihres siebenj├Ąhrigen Sohns Christoph nicht, den dieser seiner Zwillingsschwester Samira zuwarf.
„Was f├╝r eine Hitze“, st├Âhnte Heike.
„Vielleicht h├Ątten wir doch schon gestern Nacht losfahren sollen“, pflichtete ihr Mann ihr bei, w├Ąhrend er konzentriert auf die Fahrbahn blickte.
„Ja, vielleicht. Aber eigentlich waren wir doch zu dem Schluss gekommen, nicht ├╝berm├╝det in die Nacht zu fahren.“
„Nicht mehr lange, bis wir die Autobahn erreicht haben“, erkl├Ąrte Frank Hohlmann seiner Frau, w├Ąhrend er einen roten Renault ├╝berholte, der mit Tempo f├╝nfzig ├╝ber die Nationalstra├če ruckelte.
Heike lehnte ihren Kopf an die k├╝hle Scheibe der Beifahrert├╝r. Noch ein Tag, bevor ihr nervenaufreibender Alltag wieder begann. Nach einem ├Ąu├čerst entspannten S├╝dfrankreichurlaub endeten heute die Pfingstferien. Heike seufzte leise, w├Ąhrend die Zwillinge auf dem R├╝cksitz erneut begannen, sich um ein Buch zu streiten, dass Christoph gestern angeblich seiner Schwester geschenkt hatte. Nat├╝rlich konnte er sich heute nicht mehr daran erinnern, insbesondere, da Samira gerade damit beginnen wollte, es zu lesen. Unauff├Ąllig warf Heike ihrem Mann einen kurzen Blick zu. Auch Frank hatte sich die letzten Tage erholen k├Ânnen, sein Gesicht war sonnengebr├Ąunt, die Sorgenfalten, die sich im Laufe der Jahre auf seiner Stirn gebildet hatten, schienen wie ausgeb├╝gelt. Es war ihr erster Urlaub seit f├╝nf Jahren gewesen. Und sie hatten ihn bitter ben├Âtigt.
Als der L├Ąrm abermals auf ein unertr├Ągliches Ma├č anschwoll, drehte sie sich erneut genervt um, um die Zwillinge zu ermahnen. Mit Unschuldsmienen erwiderten die beiden den w├╝tenden Blick ihrer Mutter und verzogen gleichzeitig ihre kleinen M├╝nder zu einem harmlosen L├Ącheln.
Als Heike gerade ansetzen wollte, die Kinder zu etwas Ruhe anzuhalten, ert├Ânte pl├Âtzlich ein lauter Schlag, der den ganzen Wagen zum Erzittern brachte.
„Schei├če!“ Die entsetzte Stimme ihres Mannes wurde nur vom unangenehm schrillen Quietschen der Bremsen ├╝bert├Ânt. Die Zwillinge verstummten schlagartig, w├Ąhrend Heike durch das abrupte Anhalten in ihrem Sitz herumgerissen wurde. Der Sicherheitsgurt schnitt tief in die Haut ihres Halses und schn├╝rte ihr f├╝r einen kurzen Moment die Luft ab. W├Ąhrend sie hastig den Gurt lockerte, drehte sie sich entsetzt zu ihrem Mann. „War das ein Tier?“ Ihre Stimme zitterte.
Endlich kan der Wagen am Stra├čenrand zum Stehen. Die Stille, die sich nach dem Abschalten des Motors ausbreitete, wirkte gespenstisch.
Frank Hohlmann war leichenblass und sa├č f├╝r einen Augenblick wie erstarrt in seinem Sitz.
„War das ein Tier?“, wiederholte Heike ihre Frage eindringlich. Mit zusammengekniffenen Augen schaute sie in den Seitenspiegel. Doch sie erkannte nur schemenhaft etwas am rechten Rand der Route Nationale liegen, etwa hundert Meter hinter ihnen.        
Mit reglosem Blick sch├╝ttelte Frank seinen Kopf.
„Was war das, Frank?“, fl├╝sterte Heike heiser.
„Ein … Mensch“, stammelte er leise. „Ein Mann.“
„Du hast einen Mann ├╝berfahren?“, erwiderte sie schrill.
„Er …“, Frank versagte die Stimme, „… er war pl├Âtzlich da. Ich habe ihn nicht gesehen.“ Er brach ab. „Irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Die Kinder, der Krach, verdammt!“ Ein lauter Knall ert├Ânte, als er mit seiner Faust auf das Lenkrad schlug.
W├Ąhrend er sich die Augen rieb, wandte er sich an seine Frau. „Ruf die Polizei und den Notarzt. Ich gehe nachschauen, was mit …“ Mit einem R├╝ckblick auf die Kinder verstummte er. „Ich sehe nach, was ich tun kann.“
Nachdem Frank den Wagen verlassen hatte, ├Âffnete Heike mit zitternden H├Ąnden das Handschuhfach, in dem sie den Reisef├╝hrer vermutete. Erleichtert holte sie ihn heraus und begann zu bl├Ąttern. Wie erhofft waren sowohl die Nummer des Notarztes als auch der Polizeinotruf aufgef├╝hrt. Nachdem sie die Kinder erneut ermahnt hatte, sich ruhig zu verhalten, w├Ąhlte sie nerv├Âs die Nummer und suchte in Gedanken verzweifelt nach den verbliebenen Brocken Franz├Âsisch, die aus dem Jahrzehnte zur├╝ckliegenden Schulunterricht in irgendeiner hinteren Gehirnwindung auf ihre Wiederbelebung warteten.
***
2
Argel├Ęs-sur-Mer 

„Bonjour, Papa!“ Freudestrahlend st├╝rmte Lisa in das Zimmer. Als Nicolas Rousseau hinter seiner Schwester eintrat, erblickte auch er seinen Vater, zusammengesunken auf einem Stuhl in der linken Ecke des Raumes, die von der Morgensonne hell erleuchtet wurde. Trotz der fr├╝hen Stunde war die aufsteigende W├Ąrme schon zu sp├╝ren.
„Bonjour.“ Nicolas nickte seinem Vater leicht zu, w├Ąhrend Lisa bereits die Arme um den Nacken des ├Ąlteren Mannes geschlungen hatte und ihn liebevoll an sich dr├╝ckte. Schweigend beobachtete Nicolas die Szene, die ihm einen leichten Stich versetzte. Nach all den Jahren schaffte Lisa es immer noch, ihn mit ihren unregelm├Ą├čig auftretenden Gef├╝hlsausbr├╝chen zu ├╝berraschen. Wehm├╝tig beobachtete er das kleine schwarzhaarige Energieb├╝ndel, das ihrem Vater mit der Hand gerade z├Ąrtlich ├╝ber die Wange fuhr.
„Komm, Nici, gib ihm die Hand“, forderte sie ihren Bruder mit vorwurfsvoller Miene auf.
Seufzend n├Ąherte er sich den beiden und ber├╝hrte seinen Vater vorsichtig am Oberarm. „Wie geht es dir, Papa?“ Abwartend sah Nicolas ihn an. Er hatte den Eindruck, dass der rechte Mundwinkel des ├Ąlteren Mannes heute noch weiter als sonst herunterhing. Oder bildete er sich das nur ein?
Mit der linken Hand kratzte ihr Vater sich vorsichtig an seinem Kinn. Aufmerksam verfolgte Lisa jede seiner Bewegungen. Da die Augen von Jacques Mareaux sich unabl├Ąssig hin und her bewegten und nicht eine Sekunde verharrten, beschlich Nicolas das ungute Gef├╝hl, er sei heute noch unruhiger als gew├Âhnlich.
 „M├Âchtest du drau├čen essen?“ Er hob die T├╝te mit den Croissants hoch und sah seinen Vater fragend an.
„Ah“, brummte dieser, w├Ąhrend er mit dem Kopf auf und ab wippte.
Lisa, die halb auf die Stuhllehne neben ihrem Vater rutschte, l├Ąchelte gl├╝ckselig, w├Ąhrend Nicolas die T├╝r zum Balkon ├Âffnete und kurz durchatmete, als er ins Freie trat. Obwohl sich ihre Besuche am fr├╝hen Sonntagmorgen zu einer Art Ritual eingeb├╝rgert hatten, f├╝hlte er sich in den ersten Minuten immer wieder aufs Neue beklommen. Lisa dagegen schien die Situation nicht im Geringsten zu beunruhigen. Obwohl seine Schwester wesentlich st├Ąrker an ihrem Vater hing als er, zeigten Nicolas ihre unterschiedlichen Reaktionen doch, dass sie erheblich besser mit den schwierigen Umst├Ąnden zurechtkam als er. Vielleicht lag es auch einfach an ihrer unbek├╝mmerten Art, die Dinge so zu nehmen, wie sie waren. Nicht immer zu gr├╝beln, zu hinterfragen, vom Schlimmsten auszugehen.
W├Ąhrend er auf dem Balkon die Ausl├Ąufer der Pyren├Ąen betrachtete, die sich bis kurz vor das Pflegeheim ausdehnten, sp├╝rte er, wie er langsam zur Ruhe kam. Nicolas atmete tief durch und genoss f├╝r einen kurzen Moment die W├Ąrme, die sein Innerstes so selten erreichte. Schon immer war Lisa die Gef├╝hlsbetontere der Geschwister gewesen, was sicher auch an ihrer Besonderheit lag. >Besonderheit<, so nannte Nicolas heimlich die Behinderung seiner Schwester. F├╝r ihn wurde sie n├Ąmlich durch ihr Downsyndrom tats├Ąchlich zu etwas ganz Kostbarem. Ihre liebensw├╝rdige Art, ihr herzliches Verhalten anderen gegen├╝ber, das war eine Gabe. Doch ihm war auch klar, dass ihr dieses Geschenk sehr leicht zum Verh├Ąngnis werden konnte. Nicht jeder wusste schlie├člich solch besondere Menschen zu sch├Ątzen. Durch seine jahrelange Erfahrung als Polizeibeamter war ihm nur allzu gut bekannt, wie viele kranke Menschen bestens getarnt die Gesellschaft unterliefen, unsichtbar f├╝r Laien, nur darauf wartend, bis sie ihre abartigen Neigungen endlich ausleben konnten. Und seine gutm├╝tige Schwester w├Ąre eine leichte Beute. Nein, Lisa war ein kostbares Gut, was es ein Leben lang zu besch├╝tzen galt, auch wenn sie nur acht Jahre j├╝nger war als er.
Die Tatsache, dass ihr Vater nach einem Schlaganfall, der nunmehr schon l├Ąnger als zwanzig Jahre zur├╝cklag, nicht mehr f├╝r seine Tochter sorgen konnte, machte das Leben f├╝r Nicolas und seine Mutter nicht eben einfacher. Doch er wollte sich nicht beklagen. Schlie├člich hatte er schon mehr als genug gescheiterte Existenzen, zerst├Ârte Lebenstr├Ąume und kaputte Hoffnungen gesehen.
„Nici.“ Die Stimme seiner Schwester riss ihn aus seinen Gr├╝beleien.
Eilig drehte er sich um und beobachtete seinen Vater, der mit kleinen, wackligen Schritten ins Freie trat. Lisa folgte ihm, in den H├Ąnden ein silbernes Tablett mit einer Kaffeekanne und drei Tassen.
Hastig r├╝ckte Nicolas f├╝r seinen Vater einen Stuhl zurecht, bevor seine Schwester sich ebenfalls setzte und die Croissantt├╝te ├Âffnete.
„Was ist?“ Sie blickte ihn unter ihren langen Wimpern an.
Doch er sch├╝ttelte nur leicht den Kopf und zog sich den dritten Stuhl heran.
„N├Ąchste Woche spielen wir gegen Elne“, sprudelte Lisa los, w├Ąhrend sie zerstreut ein Croissant zerpfl├╝ckte.
Ihr Vater drehte sein Geb├Ąckst├╝ck mehrmals um die eigene Achse und betrachtete es aus zusammengekniffenen Augen. W├Ąhrend Nicolas ihn beobachtete, sp├╝rte er Ungeduld in sich aufsteigen. Am liebsten h├Ątte er seinem Vater das Croissant aus der Hand genommen. Doch er riss sich zusammen und konzentrierte sich stattdessen auf seine Schwester, die gerade stolz von ihrem Fu├čballtraining erz├Ąhlte. Gegen seinen Willen musste er schmunzeln. Seit f├╝nf Jahren schon trainierte er Lisa und ihre Teamkollegen, die erste Mannschaft in der Region, die komplett aus Menschen bestand, die das Downsyndrom hatten. Seit einiger Zeit hatten sich in den umliegenden St├Ądten ├Ąhnliche Vereine gebildet, sodass es hin und wieder zu Freundschaftsspielen zwischen den Teams kam. Ein solches stand in der n├Ąchsten Woche an.

*Meine Meinung*

Was Sophia's Familie im Urlaub wiederfahren ist , w├╝rde man so keinem W├╝nschen.
20 Jahre sp├Ąter reist sie nach einem  Anruf wieder nach S├╝dfrankreich und geht dem mysteri├Âsen Verschwinden Ihrer Familie auf die Spur.
Mich hat die Geschichte sofort mitgerissen, und ich habe sie an einem Wochenende verschlungen.
Es sind toll ausgearbeitete Charaktere die in einer spannend verpackten Story die perfekte Mischung ergeben.

**Alle B├╝cher die bisher erschienen sind**





Vielleicht konnte ich euch nun Lust auf einen unterhaltsamen Krimi machen <3

Viel Spa├č beim Lesen!

XOXO Eure Frl. Wundervoll

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